SEVEN EYES – »Eine euphonische Weltreise im Kleinen«

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Seven Eyes

»Eine euphonische Weltreise im Kleinen«

 

(29.09.2017, 19.30 Uhr, St. Pancras Old Church, London, UK)

 

 

Am 29. September konnte man die Band Seven Eyes das letzte mal in diesem Jahr (zumindest in Europa) bei einem ihrer Gigs bestaunen. Ihr Konzert fand am Freitag in der St. Pancras Old Church in London (UK) statt und Indian Movie Art war dabei! Beim Betreten jener anglo-katholischen Kirche aus dem frühen 19. Jh. wurden an diesem Konzertabend, ab etwa 19.30 Uhr, gleich mehrere Sinne im selben Atemzug angeregt: Die Augen, beim Anblick der ästhetisch angerichteten Bühnenkulisse, inmitten der kirchlichen Ornamentik, Heiligenikonen und einer Marienfigur mit ihrem Jesus-Kind im Arm; der Geruchssinn, beim Einatmen der Weihrauchessenz, der Geschmackssinn beim Anblick diverser Getränke, wie etwa das alkoholfreie „Ginger Bear“, von dem bereits Ed Sheeran in seinem berühmten Song Castle on the Hill erzählt. Der Gehörsinn wurde schließlich von der talentierten Gastgeberin Daisy Chute mit ihrer (zunächst erst noch) „One-Woman-Show“ so richtig in Fahrt gebracht – ganz besonders aber, als auch noch die Cellistin Midori Jaeger hinzu kam. Die Akustik der Kirche war atemberaubend und somit konnte die kraftvolle und äußerst bewegliche Stimme Daisy Chutes, sowie die gestrichenen und z. T. auch gezupften Cello-Klänge Midori Jaegers das gesamte Publikum sofort in ihren Bann ziehen.

 

Und obwohl der sich hoffentlich lange hinziehende Höhepunkt des Abends – nämlich: der Auftritt von Seven Eyes selbst – erst noch ausstand, waren bereits alle Sinne bis aufs’ Höchste angeregt worden. Eines der Sinnesorgane blieb bis dahin allerdings noch gänzlich unerwähnt, wurde dieses doch erst dann so richtig in Anspruch genommen, als der bezaubernde Stimmklang von Tanya Wells in der Kombination mit dem Gitarrenspiel von Paulo Vinícius und dem Tablaspiel von Gurdain Singh Rayatt erklang. Doch welches Sinnesorgan ist hier eigentlich gemeint? Ganz klar:

Die (Gänse)Haut!

 

Es war zurückblickend ein wirklich sehr gelungener und abwechslungsreicher Abend. Ein Abend voller Musikalität und Kreativität und insgesamt ein unglaublich schönes Musik-Erlebnis. Seven Eyes überraschte das Publikum neben zahlreichen Songs aus ihrem Debütalbum „The Seed“ (Dreaming of India, The Road is my Song, Blue in the Flame, River, Jupiter, Waiting und Ao Céu Do Brasil) mit zwei völlig neuen, d. h. noch nicht veröffentlichten Songs (Summer Afternoon & Morning Sun) und einer äußerst gewagten Tanzeinlage: Einer tänzerischen Fusionierung des spanischen Flamencos und dem klassisch-indischen Tanz, begleitet von Paulo Vinícius Gitarre, von Gurdain Singh Rayatts Tabla und von Tanya Wells spirituellem Sanskrit-Gesang über Shiva. Der Flamenco-Tänzer Francesco Bucchi hatte schließlich beide Tanz-Künste in seinen Bewegungen  integriert. Er ließ das Publikum mit seinen knallenden Fußaufschlägen regelrecht erstarren und zugleich auch durch seine graziösen Bewegungen dahinschmelzen. Francesco Bucchi hätte bei seiner Tanz-Performance in der Integrierung klassisch-indischer Elemente vielleicht etwas zurückhaltender sein können, wäre es doch beeindruckend genug gewesen, wenn er ausschließlich Flamenco zu der klassisch-indischen Musik getanzt hätte. Merging funktioniert vielleicht nicht auf jeder Ebene? Aber nichtsdestotrotz war es ein sehr unterhaltsamer und ästhetischer Auftritt.

 

Die größte Überraschung war allerdings – zumindest für mich persönlich –, dass Paulo Vinícius nicht nur ein begnadeter Gitarrist ist, sondern auch ein äußerst talentierter Sänger. Neben seinen vielfältigen und präzisen Einsätzen als Zweitstimme, hatte Paulo am Ende des Konzerts das Publikum mit dem rhythmischen Song Ao Céu Do Brasil instrumental und auch gesanglich völlig umgehauen. Paulo beherrscht sein Instrument auf so vielfältige Weise; und so funktioniert er seine Gitarre manchmal einfach zu einer Trommel um. Sein Auftritt zählt daher zu einem der Highlights dieses Abends

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Debütalbum „The Seed“ gleicht mit seinen dreizehn, unglaublich abwechslungsreichen Songs einer melodiösen Weltreise. Von Anbeginn wird der Zuhörer von den Klängen diverser Instrumente, Sprachen (z. B.: Sanskrit, Hindi, Urdu, Französisch und Englisch) und Gesangstechniken in ferne Gegenden dieser Erde getragen. Genau das geschah auch in jener Konzert-Nacht des 29. Septembers in der St. Pancras Old Church, wie zum Beispiel mit Gaigie Hill nach Irrland, mit Aaja Jaane nach Indien, mit Jupiter nach Pakistan und Frankreich oder mit Man Kunto Maula in einen südasiatischen Sufi-Schrein. Sowohl im Debütalbum, als auch am Konzert selbst hatte die musikalische Weltreise in Indien mit dem Song Dreaming of India begonnen – an eben jenem Ort, wo Tanya Wells die Grundlage der klassisch indischen Musik erlernen durfte. Von den bunten Klangfarben dieses doch sehr innovativen Musik-Genres (merging music) getragen, wurde das Publikum an eben diesem Konzert-Abend auf neue Wege geführt – auf Wege, in denen sich Vertrautes mit Fremdem vermischt und schließlich den eigenen Blick für das Vertraute in der Fremde öffnet und dadurch auch das Fremde in einem selbst aufschimmern lässt.

Der letzte Konzert-Song hatte das Publikum schließlich mit nach Brasilien genommen – dort hin, wo Seven Eyes ab der nächsten Woche für die kommenden Monate an ihrem neuen Album arbeiten werden. Doch Seven Eyes kommen wieder! Und auch am Konzert selbst kamen sie wieder auf die Bühne und sangen noch einen letzten Song: Ore Piyaund da war sie wieder, die Gänsehaut!

 

 

Das abschließende Fazit für das Seven Eyes-Konzert vom 29. September 2017 lautet daher wie folgt: Jede Reise bereichert und verändert uns Menschen, so auch die euphonische Weltreise von Seven Eyes.

2 Kommentare

  1. Outstanding comprehensive article!

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