„RAIN“ … wenn Regen zum Ozean wird!

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„RAIN“

…wenn Regen zu einem Ozean wird!

             „(…) there is no mystery in the music industry anymore and I wanted to create that.“

Turya

Obgleich es in Deutschland, gerade in diesem Sommer, recht häufig geregnet hat, läuft man dennoch Gefahr, nicht genug von TURYAS Debüt-Single RAIN des noch in Aussicht stehenden Albums OCEAN zu bekommen. Der melancholische Song RAIN handelt von der Endlichkeit des menschlichen Daseins und im Grunde auch vom generellen Loslassen – aber auch davon, letztendlich ganz bewusst im Hier und Jetzt zu leben. TURYA singt ihren selbst geschriebenen und auch selbst komponierten Song auf solch zarte und liebliche Art und Weise, dass der Zuhörer geradezu mit all seinen Sinnen, wie von einer Gewitterwolke, erfasst und weggetrieben wird – ist es doch auch eine Wolke, die das tragende Element im höchst ästhetischen Musikvideo zu RAIN darstellt.

Obwohl die Debüt-Single RAIN von der gebürtigen Engländerin ausschließlich auf englisch gesungen wird, weißt der Song, wenn auch nur rein gesanglich, klassisch-indische Melodienmomente auf.  TURYA hatte als Kind für eine Zeit lang in Indien gelebt. Auf diese weise hatte die Buntheit der genuin indischen Klangwelt ihren musikalischen Horizont bereits von Kindesalter an geweitet und geöffnet. Kritiker könnten sich eventuell gerade damit schwer tun, dass etwa der Song RAIN im Grunde zwischen zwei Welten pendelt und sich auch nicht für eine der beiden Welten entscheiden mag. RAIN stellt somit eine musikalische Vermengung zweier Welten dar – eine Vermengung von West und Ost, von englisch und indisch. Beide Welten werden schließlich so lange miteinander vermengt, bis sie nicht mehr von einander zu unterscheiden, ja geradezu untrennbar geworden sind – vermag man doch auch den Regen in einem Ozean nicht mehr zu finden. Am Ende muss schließlich jeder für sich entscheiden, ob einem diese interkulturelle und innovative Form von Musikalität zusagt oder nicht.

Die Begegnung mit der genuin indischen Musikkunst hatte TURYA insofern ganz enorm beeinflusst und bereichert, als sie bis dato nicht mehr von ihr loszukommen scheint: Mit gerade mal neunzehn Jahren ging sie erneut nach Indien – nämlich: zu einer Musikakademie, die sich etwa drei Stunden von Mumbai entfernt, in einem ländlichen Dorf befand. Dort habe sie sich, so TURYA selbst, die Grundlagen der klassisch-indischen Musik angeeignet.

Heute lebt TURYA wieder in ihrer Geburtsstadt, d. h. in London, wo sie neben anderen Musikprojekten, gemeinsam mit dem bengalischen und begnadeten Gitarristen Nitin Sawhney, der vornehmlich Fusion-Songs (z. B.: SUNSET, SYMPHONIE, NADIA, LONGING oder TENDER WORLD produziert, arbeitet.

TURYA’s musikalisches Ausnahmetalent, ihre absolute Stimmkontrolle und die Beherrschung sämtlicher Gesangstechniken, sowie ihr grandioses Verständnis klassisch-indischer Tonationen, versprechen in der Aussicht auf ihr Album OCEAN ein buntes und äußerst vielfältiges, zugleich aber auch zartes Musikerlebnis. Während so mancher Regentropfen seinen Weg zum Ozean finden mag, hoffe ich persönlich, dass RAIN bisher „nur“ der Anfang eines weiten und flutenden Ozeans (OCEAN) war. Wer also mehr zu der Person, die sich hinter dem Künstlernamen TURYA (nämlich: Nicki Wells) verbirgt, erfahren möchte, hat nun die Gelegenheit, denn ich habe TURYA interviewt:

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Was bedeutet der Name TURYA? Der Name ist Sanskrit und bedeutet „Bewusstseinszustand“ – doch steht der Begriff Turya auch für jene Stille, die man – und das ist im Grunde auch mein eigentliches Verständnis von Turya – unmittelbar nach dem Klang erfährt. Ich habe mich wirklich sehr dafür begeistert, dass diese klangliche Lücke – hier:  jene Lücke, die zwischen zwei Klängen entsteht – wohl ebenso bedeutsam sei, wie der Klang selbst.

Warum sind Sie im Musikvideo zu ihrem Debütsong RAIN nicht zu sehen? Ich erscheine im ersten Video deshalb nicht, weil mir die Idee gefiel, lediglich als eine Geschichtenerzählerin zu fungieren, während ich jemanden dafür einsetzte, die Emotionen des Songs rüberzubringen. Die heutige Musikindustrie ist frei von jeglichen Mysterien und „ich“ wollte eben davon Gebrauch machen. Die Musikindustrie ist sehr narzisstisch; sie stellt im Grunde nur die Berühmtheiten selbst zur Schau. Ich wollte daher mehr als Erzählerin in diesem ersten Video zum Einsatz kommen und habe daher eine Schauspielerin verwendet. Aber im nächsten Video meiner kommenden Single werde ich selbst zu sehen sein.

Warum Sind Sie in so vielen, verschiedenen Orten dieser Welt aufgewachsen? (Wo überall und warum?) Wie lange haben Sie denn eigentlich in Indien gelebt? Es hatte sich eher spontan so ergeben: Meine Eltern hatten sich in einer Meditationspraxis kennengelernt, was dazu führte, dass meine Schwester und ich in Italien und Indien lebten und dort internationale Schulen, die auch spirituell geprägt waren, besuchten. So hatten wir Kinder, neben dem Lernen, jeden Morgen erst zu meditieren begonnen. In Italien waren wir drei Jahre und in Indien vier Jahre. Mit zehn Jahren sind wir dann wieder nach England zurückgekehrt; und mit sechzehn hatte ich ein Stipendium für die „Performing Art School“ in Sydney erhalten, weswegen ich dann für zwei Jahre nach Australien zog, was wirklich toll war.

Wie groß war der Einfluss Indiens auf Sie als Person und auf Sie als Sängerin? Wo leben Sie jetzt? Wieder in London? Ich lebe in London, ja! Ich wurde hier geboren. Indien hatte einen massiven Einfluss auf mich; ich denke so geht es den meisten Menschen, die dort hin gehen. Entweder liebt man es oder man hasst es. Für mich war es wirklich sehr sinnlich und ich habe auch vieles unbewusst absorbiert: Die Farben, die Klänge und Geräusche, die Gerüche, die Manierismen und natürlich ganz besonders auch die Musik.

Was genau sind „sargams“, die in vielen Ihrer Songs vorkommen? Sargams (Sa Re Ga Ma) sind die individuellen Noten eines Raags oder auch nur einer beliebigen Melodie (man kann diese auch in die westliche Musik übersetzen). Die „sargams“ einzuüben hilft einem dabei, sich melodisch an der jeweiligen Tonart zu orientieren. Das westliche Äquivalent dazu, wäre das Solfa-Notensysten. Wenn man sich damit beschäftigt, hilft es, sich im Song zu orientieren.

Wieso singen Sie nicht gemeinsam in einer Band mit Ihrer Schwester Tanya Wells, die ebenfalls Sängerin ist?Meine Schwester und ich planen tatsächlich etwas zusammen zu machen. Doch wir wollten beide erst unsere je eigene Stimme finden. Doch wann immer wir gemeinsam singen, entsteht sowas wie eine natürlich Synergie – fast wie bei Yin und Yang.

Was genau machen Ihre Eltern? Sind sie auch musikalisch? Mein Vater ist sehr musikalisch. Er hat tatsächlich auch ein Musical geschrieben und dieses dann auch aufgenommen. Doch beruflich ist er Psychiater und meine Mutter ist Beraterin; und so stehen schließlich beide jenen Menschen bei, die eine schlimme Zeit durchmachen.

Wann haben Sie mit dem professionellen Singen begonnen? Und seit wann können Sie von Ihrem Gesang leben? Mit sechzehn Jahren habe ich mit Musikauftritten begonnen, als ich in Sydney, also in Australien war; dort habe ich in einigen Bands gesungen. Doch erst mit einundzwanzig Jahren, als ich professionellere Arbeitet machte, konnte ich so zu sagen auch wirklich von meiner Musik leben.

Wann und wie hatte Ihre Arbeit mit Nitin Sawhney begonnen? Ich traf Nitin spontan als ich einundzwanzig war. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt mit einem Produzenten gearbeitet, dessen Studio sich direkt gegenüber dem Studio von Nitin befand. Dieser Produzent hatte schließlich Nitin von mir erzählt und ihn zu einer meiner „Musik Sessions“ im Studio eingeladen, um mir beim Singen zuzuhören; und von diesem Tag an, hatte Nitin mir angeboten, Teil seiner Band zu werden. Von da an war ich bis heute, d. h. schon seit sieben Jahren, Teil all seiner Sessions, Gigs und Shows.

Wieviel Zeit benötigen Sie, um einen Song zu schreiben? Jeder einzelne Song kann von zwanzig Minuten bis zu mehreren Monaten benötigen; dies hängt davon ab, wie stark das Gefühl eines Songs  ist …

In welche musikalische Richtung werden Sie auch in Zukunft gehen? Mein Album Ocean soll im Grunde mehr ein „Singer/Songwriter“-Versuch darstellen; dabei werde ich auch ziemlich minimalistisch vorgehen. Es kommen zwar keinerlei östliche Instrumente zum Einsatz, doch versuche ich rein melodiös, d. h. ausschließlich stimmlich, das Gefühl der klassisch-indischen Musik zu transportieren.

Welche Instrumente spielen Sie? Ich spiele Piano und Gitarre.

Und nun zu einer für meinen Blog doch recht wichtigen Frage: Sehen Sie sich denn überhaupt indische Filme an? Nicht so oft.

Welchen indischen Film haben Sie zuletzt gesehen? Jodha Akbar.

Welcher  ist ihr Lieblingsfilm? Ich denke Jodha Akbar ist unglaublich!

Welche/n Schauspieler/in mögen Sie sehr  bzw. am meisten? Ich mag Rani Mukerjee und Aishwarya Rai ist atemberaubend. Und unter den Männern finde ich in Sachen Schauspiel und Produktion Amir Khan sehr gut.

Wessen Gesangs-Stimme wären Sie gerne in einem Bollywood-Film? (lacht) Weiß nicht genau: „any“!

 

Nicole Karimi

2 Kommentare

  1. Turya ist Nicki Wells und nicht Tanya Well – das ist ihre Schwester….

    • hey marc,
      danke für den Hinweis. Das weiß ich glücklicherweise und unglücklicherweise hatte ich mich einfach nur vertippt. Zum Glück hatte mich Nicki Wells selbst gleich darauf aufmerksam gemacht. Aber trotzdem danke!

      LG
      IndianMovieArt

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